Tisch und Welt
Welt am Tisch
Ein runder Tisch für eine neue politische Kultur
Tisch und Welt beginnt in der Beiz, dem Wirtshaus um die Ecke, wie man es in der Schweiz nennt, und schaut über den Tischrand hinaus. Welt am Tisch geht einen Schritt weiter: Hier setzt sich die Welt an den Tisch.
Die Frage, die diese Rubrik stellt, ist einfach zu formulieren und schwer zu beantworten. Wie könnte eine politische Kultur aussehen, die nicht vom Parteiendenken ausgeht, sondern vom Gespräch? Was braucht es, damit Menschen mit verschiedenen Überzeugungen an einem Tisch bleiben, auch wenn es unbequem wird?
Die Haltung
Jede Sicht ist wahr, aber unvollständig. Keine Perspektive sieht das Ganze, auch die eigene nicht. Wer das anerkennt, kann zuhören, ohne sich aufzugeben, und widersprechen, ohne den anderen zu verlieren.
Der Tisch ist älter als die Partei. Politik ist an Tischen entstanden, am Stammtisch, im Kaffeehaus, an der Landsgemeinde. Und die wichtigsten friedlichen Übergänge der jüngeren Geschichte sind an runden Tischen gelungen, in Polen und in der DDR 1989, in Südafrika in den Jahren danach. Am Tisch wurde möglich, was auf der Strasse und im Parlament festgefahren war.
Die Schweiz hat den runden Tisch in ihre Institutionen eingebaut. Konkordanz, Kollegialprinzip, Vernehmlassung und direkte Demokratie sind Formen davon. Welt am Tisch knüpft an diese Tradition an und fragt, wie viel davon im Alltag angekommen ist, in den Gesprächen, die wir tatsächlich führen.
Polarisierung ist eine Richtung, keine Naturgewalt. Sie lässt sich beobachten, und sie lässt sich bearbeiten. Zuerst im Kleinen, am Tisch, bevor man über das Grosse redet.
Das Ziel ist eine Praxis, kein Ergebnis. Der runde Tisch ist eine Quadratur des Kreises: Man weiss, dass es nicht ganz aufgeht, und setzt sich trotzdem hin.
Die Tischregeln
Man redet in der Ich-Form über eigene Erfahrung, bevor man in der Wir-Form über die Welt redet.
Man gibt die Position des anderen so wieder, dass er sie als seine erkennt, bevor man ihr widerspricht.
Man nennt die Grenze der eigenen Sicht mit, wenn man sie vorträgt.
Man unterscheidet zwischen Beobachtung und Deutung und sagt, welches von beiden man gerade liefert.
Man bleibt am Tisch, auch wenn es unbequem wird. Das ist die einzige Regel, die nicht verhandelbar ist.
Was Welt am Tisch nicht ist
Keine Partei, keine Bewegung, kein Programm. Welt am Tisch nimmt keine Position zwischen links und rechts ein, sondern eine Position zur Art, wie wir über Politik reden. Wer einen Standpunkt hat, bringt ihn mit. Wer keinen hat, ist ebenso willkommen.
Die Einladung
Welt am Tisch beginnt als Idee. Was daraus wird, ein Gesprächsabend in einer Beiz, Gastbeiträge mit Gegenrede, etwas ganz anderes, hängt davon ab, wer sich an den Tisch setzt. Wenn dich die Frage beschäftigt, wenn du mitdenken, mitschreiben oder einfach einmal dabei sein möchtest: Schreib an post@tischundwelt.ch.
Die Essays, die in dieser Rubrik erscheinen, findest du unten, sobald es sie gibt.