Das Archiv

Gedanken am Tisch

Über Gastfreundschaft und Genuss. Über Arbeit, Alltag und die Frage, wie wir gemeinsam leben wollen.

11 Essays

  1. Aus zweiter Hand

    Vom Urteil, das andere für uns vorgekaut haben

    In einem Dokumentarfilm über Tonga, das Königreich im Südpazifik, sagt ein Arzt in die Kamera: «Wenn die Leute hier die gesunden Lebensmittel von unseren Inseln essen, Süsskartoffeln oder Taro, gelten sie als arm. Wenn sie Brot essen und importiertes Fleisch aus der Dose, gelten sie als reich.»

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  2. Wo ist die Toilette

    Wie aus Offenheit eine Schwelle wird

    Im Untergeschoss eines Restaurants, das zu einer grösseren Zürcher Gastronomiegruppe gehört, stand ich zwischen zwei Türen, die sich gegenüberlagen. Auf beiden dieselbe Tafel.

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  3. Stimmt so

    Zwei Worte, die das Terminal nicht kennt

    Das Trinkgeld war in der Schweiz nie eine Pflicht, jedenfalls nicht mehr seit den Siebzigerjahren, als der Service in die Preise kam. Übrig blieb das Aufrunden.

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  4. Retorte mit Kirchturm

    Wie Stadtfeste immer besser werden und immer weniger mit der Stadt zu tun haben

    Mitte August, halb neun am Abend. Der Bass kommt nicht durch die Gasse, er kommt über die Dächer, von hinten, von dort, wo die Bühne ihre Rückseite hat.

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  5. Der Preis der Nähe

    Von jenen, die kein Gegenüber wollen, nur ein Publikum

    Ich mag es, wenn ein Abend über die Tischgrenzen hinausläuft, wenn zwei Runden ins Gespräch kommen, die sich vorher nicht kannten. Der Austausch, der nicht am eigenen Tischtuch endet, ist mir viel wert.

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  6. Das weisse Tischtuch als Ausrede

    Warum die Gastronomie weniger an der Zeit scheitert als an sich selbst

    Die Gastronomie klagt. Das tut sie regelmässig und nicht ohne Grund.

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  7. Mehr als eine Speisekarte

    Was das älteste vegetarische Restaurant der Welt über das Zusammenkommen lehrt

    Am Eingang einer Seebadeanstalt erwartet man bestimmte Gerüche. Heisses Fett, Cervelat über der Glut, der süssliche Dunst von Pommes und Ketchup, dazwischen der Geruch von Sonnencreme und nassem Holz.

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  8. Mass und Freiheit

    Warum Masshalten mehr ist als Verzicht

    Die Weinkarte kommt ungefragt. Das ist in den meisten Restaurants so: Sie liegt auf dem Tisch, bevor man sich gesetzt hat, oder sie wird einem in die Hand gedrückt, kurz nachdem man Platz genommen hat.

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  9. Du bist, was du isst. Aber wer bist du?

    Über einen gestohlenen Satz und was er ursprünglich meinte

    Jean Anthelme Brillat-Savarin schrieb seinen Aphorismus 1825, am Rand eines langen Lebens, das er zu grossen Teilen am Tisch verbracht hatte. Dis-moi ce que tu manges, je te dirai ce que tu es.

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  10. Das Midway, Zürich Kreis 4

    Ein Ort, den man nicht sucht – und nicht vergisst.

    Es gibt Orte, in die sich nie ein Tourist verirrt. Orte, die nur kennt, wer dazugehört – aus dem Quartier, aus den umliegenden Quartieren, unter Einheimischen still weitergereicht.

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  11. Wenn die Kirche leerer wird, bleibt der Tisch

    Über Gastronomie als bindende Kraft in einer fragmentierten Welt

    Das wichtigste politische Gebäude unserer Zeit hat keine Flagge. Es hat eine Küche.

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